Digitale Zusammenarbeit

Es ist nun schon einige Zeit her, eigentlich seit dem Sommer letzten Jahres, dass sich unsere Art zu arbeiten sehr stark verändert hat und wir nun beispielsweise auch über neue bzw. neu entdeckte Kanäle kommunizieren und zusammenarbeiten. Was vorher nur in wenigen Branchen und nur in wenigen Unternehmen als normal galt und im Alltag integriert war.

Digitales Führen und (An-)Leiten kann eine echte Wachstumschance bieten. Der entscheidende Unterschied zu früheren Digitalisierungsbestrebungen und der Anwendung solcher Tools im Arbeitsalltag ist die Notwenigkeit. Jetzt ist digitales Arbeiten ein Muss, früher war es ein Kann.

Auch wenn die Digitalisierung vorher schon da war, so ist es jetzt nicht mehr möglich, ohne sie fortzufahren. Mit ihr muss zwingend umgegangen werden, und dies verändert die Zusammenarbeit innerhalb von Teams ebenso wie die Rahmenbedingungen für Führungskräfte und Selbstständige.

Die Digitalisierung hat den Effekt, dass viel von der Arbeit unsichtbar wird. Sie findet nun nicht mehr neben uns am Schreibtisch statt, sondern weit weg, zuhause. Gleichzeitig macht das digitale Arbeiten vieles explizit. Es stellt (uns) bloß, denn Transparenz und eine klare Dokumentation zeigen nun deutlich, was wirklich geschafft wurde. Dies hat Auswirkungen auf das soziale Miteinander im Arbeitskontext und es verändert die Zusammenarbeit im Team und in der Führung.

Für eine Führungskraft kann das bedeuten, dass sie stark wächst, weil sie sich (endlich) auf die wichtigen Dinge konzentrieren kann. Aber Dokumentation und Transparenz können zugleich auch aufzeigen, dass sie sich bisher vielleicht nicht mit den relevanten Dingen beschäftigt hat.

Ein weiterer Aspekt ist das Verschwinden von (sichtbaren) Hierarchien, oder auch Statussymbolen. Allen steht ein gleichgroßer Ausschnitt Videobild beim Meeting zur Verfügung, große Sessel und erhabene Umgebungen können sich alle anschaffen – oder es bleiben lassen. Technologisch gilt das Prinzip des primus inter pares.

Darüber hinaus werden die Sozialkompetenzen besonders herausgefordert, weil aus der Ferne der Mitmensch auch per Video nicht genauso gut wahrgenommen werden kann wie im persönlichen Kontakt. Hierzu gehört insbesondere das individuelle Hinschauen: Das empathische Einzelgespräch und die Nachfrage, was wirklich los ist.

Für uns ganz persönlich kam die Pandemie eigentlich zur Unzeit: Als Berater:innen haben wir den Schritt ins Digitale gemacht als die Pandemie so richtig los ging. Gezwungenermaßen haben wir Auftragsklärungen und Teile der Beratungen über Videokonferenzen durchgeführt. Das klappe erstaunlich gut und war ungemein effektiv – zugleich haben wir aber auch vieles gelernt, insbesondere über das, was zwischen den Zeilen steht.

Aus unserer Sicht essenziell für „Führung 2.0“ im Digitalen:

  • Die Herausforderung ist: Wachstum bewirken durch digitales Leiten
  • Führung durch virtuelle Räume: Beziehungsebene rutscht in den Hintergrund
  • Transparenz und Dokumentation sind wichtiger denn je, weil sie Vertrauen schaffen
  • Jedes Team formt sich durch Kommunikation – und die Kommunikation ist jetzt neu
  • Primus inter pares: Ein primus inter pares ist ein Mitglied einer Gruppe, das dieselben Rechte innehat wie alle anderen auch, aber trotzdem eine erhöhte Ehrenstellung oder auch implizite Führungsrolle genießt – oft ohne sie formal erhalten zu haben.
  • Mixed Methods: Digitales Führen fordert höhere Flexibilität bei den Führungswerkzeugen. Die Führungskraft muss neu und virtuoser überlegen, welches Tool für welches Ziel mit welchem Mitarbeiter in der neuen Situation den größten Erfolg verspricht
  • Professionalisierung von Führung nötig: die neue Situation verlangt auch (noch) klarere Führungsarbeit und -verbindlichkeit.
  • Kommunikation ist – wie schon früher – der Schlüssel zu erfolgreicher und nachhaltiger Führung. Auch im Digitalen.

Der größte Fehler, den man unserer Erfahrung nach machen kann, ist zu glauben, dass digitales Führen letztlich dasselbe sei wie früher, nur eben über Zoom, Skype oder MS Teams. Letztlich gewinnt diejenige Führungskraft am meisten, die sich genuin für ihre Mitarbeiter:innen und deren Erfolg interessiert, und die die jeweilige Gesamtsituation (nach innen wie nach außen) am besten mit all ihren Herausforderungen zu nutzen versteht. Wer flexibel in den Methoden bleibt und Verantwortung weiter professionell managt, der/die wird auch das Führen 2.0 meistern.